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Neuigkeiten und Wissenswertes aus der Viktualia-Welt

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Viktualia-Gründerin Pelin Yildiz mit Einkaufskorb vor dem Hofladen des Neuhofs Goyert

Viktualia Einblicke

Pelin, warum hast du Viktualia gegründet?

Viktualia-Gründerin Pelin Yildiz erzählt, wie sie auf die Idee für ihr Projekt kam, wer ihr bei der Gründung geholfen hat und woher sie weiß, dass sie es wirklich will.

Für wen ist Viktualia?

Pelin Yildiz: Für Menschen, die richtig gut einkaufen wollen. Ich weiß, wie schwer das ist, vor allem, wenn man berufstätig ist, vielleicht Kinder hat oder eine aktive Freizeit. Im Supermarkt bekommen wir auf die Schnelle alles. Extra zu verschiedenen Hofläden fahren, dann noch zum Metzger – das ist unrealistisch und auch nicht ökologisch. Viktualia macht es möglich, dass wir endlich ganz entspannt so einkaufen können, wie wir es uns wünschen. Regional, bio, von Landwirten, denen wir vertrauen und die mitfühlend mit ihren Tieren umgehen.

Wie wichtig ist dir Essen?

Sehr wichtig, das habe ich von meinem Vater. Er ist ein leidenschaftlicher Koch und teilt unheimlich gerne Mahlzeiten mit Menschen, die ihm am Herzen liegen. Meine Eltern hatten in den Neunzigern ein türkisches Restaurant in Heidelberg-Wieblingen, das „Divan“. Es war ihr großer Stolz. Sie waren mit ihrer Selbstständigkeit erfolgreich und haben Menschen mit Essen glücklich gemacht. Das hat mich echt geprägt!

Wolltest du schon immer etwas gründen?

Der Gedanke hat mich gegen Ende des Studiums gepackt. In den Jahren danach hatte ich tausend Ideen – und alle wieder verworfen. Aber eine Idee ist geblieben! Sie hat sich weiter entwickelt, bis das Konzept für Viktualia da war.

Wie finden es deine Eltern, dass du dich selbstständig machst?

Meine Mutter hat von Anfang an gesagt, dass sie mithelfen wird. Mein Vater lebt in Ankara, aber auch er drückt mir die Daumen. Für mich ist es eine große Hilfe, dass meine Eltern hinter mir stehen. Das macht es mir leicht, den Mut aufzubringen, den so eine Gründung braucht.

Und was sagen deine Freunde?

Mein guter Freund Daniel ist Wirtschaftsingenieur und mein bester Business-Berater. Er hat das Konzept für Viktualia mit vielen guten Ideen mitgeprägt und hilft mir immer wieder bei Entscheidungen. Die Gespräche mit ihm sind unschätzbar wertvoll. Auch sonst bekomme ich viel Unterstützung aus meinem Umfeld, allein schon durch das wohlwollende Interesse meiner Freunde. Auch einige Kollegen aus meinem Job bei der Stadt Mannheim erkundigen sich immer wieder nach Viktualia und sind ganz gespannt, wie es sich entwickelt.

Wie kamst du auf einen Lieferdienst für Regionales?

Ich habe den Markushof kennengelernt, weil ich Mitglied in der „Solidarischen Landwirtschaft Rhein-Neckar“ war. Meine Freunde haben sich gewundert, dass ich plötzlich wieder Käse und Fleisch esse, wo ich doch sonst aus Tierschutz-Gründen darauf verzichtet habe. Da habe ich ihnen von der Rinderhaltung auf dem Markushof erzählt. Das hat begeistert! Viele meiner Freunde hätten gerne auf dem Markushof eingekauft. Nur kam eine Mitgliedschaft in der Solidarischen Landwirtschaft für sie nicht in Frage, und zum Einkaufen auf den Hof zu fahren ist echt umständlich. Ich wusste aber, dass Markus sich über mehr Kundschaft gefreut hätte.

Also ein unentdeckter Bedarf?

Genau. Ich dachte, das kann doch nicht sein: Hier das Angebot, da die Nachfrage, und beide Seiten finden nicht zueinander? So kam die Idee, einen Lieferdienst zu gründen.

Was bringt das den Landwirten?

Über Viktualia finden sie Kundschaft, die ihre besondere Leistung versteht und wertschätzt. Natürlich ist es einfach, riesige Mengen auf einen Schlag an den Großhandel abzugeben. Aber dort bekommen die Landwirte keinen besonders guten Preis. Und ich finde es schade, wenn Produkte mit einer selbst für den Bio-Bereich herausragenden Qualität in irgendeinem Supermarkt landen. Dort bekommt kein Kunde Wind davon, welche Schätze er gerade in seinen Händen hält. Der Großhandel hat seine Vorteile, aber den Menschen erzählen, wo die Lebensmittel herkommen – das kann er nicht leisten.

Was war für dich das schwierigste am Gründen?

Einfach mal anzufangen! Ich bin ein gründlicher Mensch und will meine Sache gut machen. Das hat dazu geführt, dass ich alles sehr ausführlich vorbereitet habe. Irgendwann kam der Punkt, an dem klar wurde: Ich muss jetzt Nägel mit Köpfen machen, sonst bereite ich das Ding für immer vor. Da hat mir Daniel geholfen. Wir haben zusammen einen Zeitplan gemacht und einen Start-Termin festgelegt. Das war für mich eine Verpflichtung, und ab dem Moment habe ich durchgezogen.

Wie motivierst du dich, am Ball zu bleiben?

Bei der Arbeit an Viktualia gibt es immer wieder Tiefpunkte. Einmal habe ich wirklich überlegt, hinzuschmeißen. Der Gedanke hat sich toll angefühlt. Ich dachte „Mensch, wie viel Zeit ich plötzlich hätte! Und was könnte ich alles mit dieser Zeit machen… Ich könnte irgend etwas machen, worauf ich so richtig Lust hätte… zum Beispiel ein ganz tolles Projekt auf die Beine stellen… wie einen Lieferdienst für die besten Lebensmittel aus der Region…“ An dem Punkt musste ich lachen und dachte, alles klar, das war jetzt deutlich: Ich will Viktualia. Das zu wissen, gibt mir an schwierigen Tagen die Kraft, weiterzumachen. Und dann kommt irgendwann auch wieder die nächste Hochphase voller Begeisterung!


16. Juni 2020
Viktualia - Hofeinkauf
Viktualia - Hofeinkauf