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Bio-Legehennen auf der Weide des Neuhofs Goyert

Landwirtschaft: Gut zu wissen

Eier: Bio ist wichtig, aber wir wollen mehr

Du möchtest Eier, die ohne unnötiges Tierleid produziert werden. Reicht es dann, bio zu kaufen? Viktualia empfiehlt: Bio ist viel wert! Aber wenn dir Hühner am Herzen liegen, schau genauer hin.
Was die meisten Bio-Siegel (noch) nicht abdecken, sind die Schlachtung und der Umgang mit den Brüdern der Legehennen. Hier erfährst du, warum diese Punkte wichtig sind. Am Ende des Artikels bekommst du Tipps, wie du Landwirte unterstützt, die sich ganz besonders für eine mitfühlende Hühnerhaltung engagieren.

Tierwohl-Faktor 1: Haltung und Schnabelkürzen

Hier garantieren die Bio-Siegel mehr Tierwohl als die ziemlich laschen gesetzlichen Vorgaben.

Haltung: Wie leben die Legehennen?

Da gibt es riesige Unterschiede: Von Käfighaltung bis zur naturnahen Freilandhaltung ist alles dabei. Hühner brauchen, damit es ihnen gut geht, genug Platz im Stall, Auslauf ins Freie, sie wollen in kleinen Gruppen mit einem Hahn leben, wollen scharren, brauchen Rückzugsmöglichkeiten und wollen beim Schlafen erhöht sitzen. Manche Landwirte ermöglichen ihren Hennen so viel wie möglich davon. Klar ist: Das ist teurer als eine hochintensive Massentierhaltung auf engem Raum. Gute Eier von gesunden Hühnern können deshalb preislich nicht mit dem unteren Rand mithalten.

Werden die Schnäbel gekürzt?

Wenn Hühner zu wenig Platz haben, können sie keine natürliche Rangordnung bilden, sich nachts nicht ausruhen und stehen ständig unter Stress. Die Folge: aggressives Verhalten, die Tiere verletzen sich gegenseitig. Damit es weniger Verletzungen durch spitze Schnäbel gibt, können den Hühnern die Schnäbel gekürzt werden. Ein schmerzhaftes Verfahren, das ohne Betäubung am Fließband durchgeführt wird. Und das nicht nötig wäre, wenn die Tiere so gehalten würden, wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Gesunde Hühner können ihr natürliches Sozialverhalten leben und verletzen sich nicht gegenseitig.

Bei Haltung und Schnabelkürzen geben Biosiegel Sicherheit

Die Bio-Vorgaben schützen die Hennen in Sachen Haltungsform und Schnabelkürzen wesentlich besser als die gesetzlichen Vorgaben. Einen besonders großen Schritt in Richtung Tierwohl machen Bio-Anbauverbände wie Naturland, Bioland oder Demeter. Das EU-Biosiegel gibt dagegen nur Mindest-Bio-Standards vor. Das ist viel wert, aber nur ein Anfang. Zum Beispiel kann das Schnabelkürzen beim EU-Biosiegel in bestimmten Fällen erlaubt werden, bei den Anbauverbänden ist es komplett verboten.

Tierwohl-Faktor 2: Problem Kükentöten

Fast alle Hühner haben heute eine spezielle Stärke, je nach Rasse: Eierlegen oder Fleisch ansetzen. So sind sie gezüchtet. Aber was ist mit den Brüdern von Legehennen? Die Mast lohnt sich bei ihnen nicht, denn sie gehören zu einer auf Legeleistung spezialisierten Rasse. Eierlegen können die Brüder der Legehennen auch nicht. Verbreitete Praxis ist, sie nach dem Schlüpfen zu töten – leider auch im Bio-Bereich. Viele Menschen empfinden das als grausam, weil Lebewesen als „Abfallprodukte“ entstehen und entsorgt werden.

Lösungsvorschlag In-Ovo-Selektion

Erlaubt ist das Töten der Küken in Deutschland noch so lange, bis man das Geschlecht der Küken bereits im Ei bestimmen kann. An solchen Verfahren wird derzeit gearbeitet. Eier, in denen männliche Küken heranwachsen, können dann schon vor dem Ausbrüten aussortiert werden. Nicht alle Menschen empfinden diese Möglichkeit als zufriedenstellend, weil das Töten und Aussortieren damit auf den Embryo verlegt wird.

In Arbeit: Zweinutzungshuhn

Bio-Verbände arbeiten an der Zucht einer Hühnerrasse, die möglichst viele Eier legt und gleichzeitig möglichst gut Fleisch ansetzt. Die Hoffnung: Landwirte sollen mit den Legehennen dieser Rasse und mit der Mast ihrer Brüder wirtschaftlich lohnende Erträge erzielen. Aber Zucht braucht Zeit. Noch gibt es kein Zweinutzungshuhn, das sich in der Bio-Landwirtschaft wirtschaftlich gewinnbringend einsetzen lässt.

Bis dahin: Aufzucht der Brüder und Querfinanzierung

Das ist der Weg, den manche Landwirte einschlagen, bis es ein Zweinutzungshuhn gibt – auch Markus Goyert vom Neuhof. Er lässt die Brüder seiner Legehennen von einem Partnerbetrieb aufziehen. Ein paar Cent von dem, was du bei Viktualia für ein Ei bezahlst, tragen zur Finanzierung der Gockel-Aufzucht bei. Das  Fleisch bekommst du fertig zubereitet in Gläsern, natürlich auch bei Viktualia – hier geht’s zu den Gockel-Produkten. Die Aufzucht der Brüder lohnt sich, wenn wir Kunden ihr Fleisch kaufen. So zeigen wir: Wir wollen diese wertschätzende Art der Hühnerhaltung.

Tierwohl-Faktor 3: Schlachtung

Warum Schlachtung, ich kaufe doch nur Eier?

An die Schlachtung denken wir erst einmal nur, wenn wir Fleisch kaufen. Aber: Jedes Nutztier wird irgendwann geschlachtet. Legehennen in der Regel dann, wenn ihre Legeleistung so weit nachlässt, dass es sich für den Hof nicht lohnt, die Tiere weiter zu halten. Klar, die Landwirtinnen und Landwirte müssen von den Tieren leben.

Bio-Tiere landen oft in denselben Schlachthöfen wie andere Tiere

Wie kommt es dazu? Die meisten Bio-Siegel machen keine verbindlichen Vorgaben zur Schlachtung (eine Ausnahme: Naturland). Schön wäre es, wenn wir zumindest bei Bio-Eiern sicher sein könnten, dass die Hennen nicht am Fließband geschlachtet werden. Aber kleine, lokale Metzgereien, die selbst schlachten, gibt es gar nicht so viele. Manche Landwirte schlachten direkt auf ihrem Hof – super, wenn du so einen Hof kennst! Für viele Landwirte ist das aber nicht möglich, denn das Schlachten ist mit hohen Auflagen verbunden. Deshalb bleibt vielen Bio-Landwirten nur ein großer Schlachthof als praktikable Lösung. Was das für die Tiere bedeutet, hast du vielleicht aus Medienberichten ungefähr mitbekommen. Eine Beschreibung der Abläufe dort ist nichts für schwache Nerven und soll dir hier erspart bleiben. Fakt ist: Wer mit Tieren als Lebewesen mitfühlt, will so etwas nicht.

Fazit: Bio ist wichtig, aber Viktualia will mehr

Die meisten Bio-Siegel machen „nur“ Vorgaben zur Haltung und zum Kupieren von Körperteilen wie Schnäbeln. Das ist immerhin ein großer Gewinn im Vergleich zu nicht-bio. Naturland macht auch verbindliche Vorgaben für eine schonende Schlachtung. Ansonsten gilt: Wenn du Wert auf eine möglichst schonende Schlachtung legst und wenn du willst, dass männliche Küken nicht sofort nach dem Schlüpfen getötet werden, musst du selbst nach Höfen suchen, die entsprechend arbeiten.

„Gute“ Eier ohne Biosiegel – gibt es das?

Vereinzelt gibt es konventionelle Betriebe (also nicht-bio), die sich stark für Tierwohl und Ökologie einsetzen. Das sind meist kleine Höfe, die ihre Eier direkt vermarkten. Wenn du die Herkunft der Eier nicht kennst, ist ein Bio-Siegel dagegen umso wichtiger – was meistens der Fall ist, wenn du im Supermarkt einkaufst. Deshalb: Liegen dir die Hühner am Herzen, dann entscheide dich im Supermarkt für Bio-Eier.

Sechs Dinge, die du tun kannst

Du willst beim Eierkaufen Landwirte unterstützen, die sich besonders um das Wohl der Hühner bemühen? Auf geht’s:

  1. Kauf Eier nur, wenn du den Hof kennst. Das wird dazu führen, dass du häufig auf den Kauf von Eiern oder eihaltigen Produkten verzichtest. Nicht immer leicht, aber im Hinblick auf Tierwohl sehr nützlich und ein starkes Zeichen. Zu radikal für deinen Geschmack? Dann lass diesen Punkt aus und starte bei Punkt 2:
  2. Nimm bio – auch bei verarbeiteten Produkten. Wenn du nicht genau weißt, wo die Eier herkommen, kauf nur bio – das ist ein großer Schritt in eine gute Richtung! Vorsicht bei eihaltigen Lebensmitteln wie Mayonnaise, Kuchen, Gebäck und Fertiggerichten. Wenn nichts draufsteht, sind hier allzu häufig Eier aus Massentierhaltung drin. Kauf solche Produkte in Bio-Qualität, dann hast du schon viel bewirkt. Am besten sind Produkte mit dem Siegel eines Bio-Anbauverbandes wie Bioland, Demeter oder Naturland.
  3. Erkundige dich nach der Schlachtung. Kaufst du Eier direkt vom Erzeuger? Dann frag, wo die Hühner geschlachtet werden.
  4. Halte Ausschau nach Eiern mit Bruderhahn-Projekt. Solche Eier gibt es inzwischen in vielen Supermärkten, insbesondere in Bioläden. Sie sind etwas teurer, weil die aufwändige Mast der Gockel mit einem Aufschlag von ein paar Cent pro Ei querfinanziert wird.
  5. Kauf Eier vom Neuhof. Bei Viktualia bekommst du Eier vom Neuhof in der Pfalz. Der Neuhof arbeitet nach Demeter-Richtlinien und lässt die Brüder der Legehennen von einem Partner-Betrieb (ebenfalls Demeter) großziehen. Die Brüder werden dort gemästet und ihr Fleisch wird zu leckeren Suppen, Soßen und Brotaufstrichen verarbeitet.
  6. Iss Gockelfleisch. Klingt absurd, ist aber so: Wer will, dass alle Küken leben, sollte neben Eiern auch ab und zu Gockelfleisch essen. Denn die Aufzucht der Brüder lohnt sich, wenn wir Kunden ihr Fleisch kaufen. So zeigen wir: Wir wollen diese wertschätzende Art der Hühnerhaltung. Hier geht’s zu den Gockelfleisch-Produkten.
  7. Kauf ab und zu ein Suppenhuhn. Der Neuhof strebt an, die Legehennen von einem mobilen Metzger direkt auf dem Hof schlachten zu lassen. Die Anfahrt des Metzgers lohnt sich nur, wenn viele Hennen auf einen Schlag geschlachtet werden – und für diese Menge an Suppenhühnern braucht der Neuhof Abnehmer. Über den Viktualia-Newsletter geben wir dir Bescheid, sobald es wieder Suppenhühner vom Neuhof gibt. Und dann greif zu! So unterstützen wir den Neuhof dabei, die Hennen möglichst schonend zu schlachten.

1. März 2021
Viktualia - Hofeinkauf
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